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Aus Baugewerbe Unternehmermagazin 7\2019

Sabine Heinrich-Renz,

Stein mit Geschichte

Der Baustoff Ziegel hat sich in seiner langen Geschichte als einer der ältesten Baustoffe kontinuierlich den Anforderungen angepasst. In den letzten 50 Jahren hat er die Wandlung zum Hightech-Baustoff vollzogen. Das Ziegelei-Unternehmen Schlagmann Poroton aus dem nieder­bayerischen Zeilarn begleitete diese Entwicklung.

Ziegeleiarbeiter im Jahr 1946. © Schlagmann Poroton

Um zu den Anfängen des Ziegels zurück­zublicken, reichen 100 Jahre natürlich nicht aus. Die ältesten Ziegel (Jericho) – damals noch Lehmziegel – werden um das Jahr 7.500 v. Chr. datiert. Ziegel gehören damit zu den ältesten künstlich hergestellten Baustoffen der Menschheits­geschichte. Um 4.000 v. Chr. werden Ziegel erstmals auch im gebrannten Zustand verbaut. In unseren Breiten­graden hielt der Ziegel erst durch die römischen Legionen um 200 n. Chr. Einzug. Unter ihrer Regie wurde die Ziegelherstellung im großen Stil betrieben.

Die Germanen lernten dabei die Kunst des Ziegelbrennens und waren wahrscheinlich auch die ersten, die die Formlinge mittels Holzkästen anfertigten und damit auch für einheitlichere Maße sorgten. Im Mittelalter betrieben meist Klöster und herrschaftliche Höfe Ziegeleien. Aus dieser Zeit stammen bemerkenswerte gotische Backsteinbauwerke, wie das Kloster Chorin (1300) oder die Stiftsbasilika St. Martin in Landshut (vollendet 1500) mit ihrem immer noch welthöchsten Ziegelturm. Später als der Städtebau wieder in Schwung geriet, wurden Rats- und Stadtziegeleien gegründet. Adelige Grund­besitzer betrieben Gutsziegeleien, aus deren Tradition die vielen Bauernziegeleien entstanden. Die Art und Weise der Ziegelherstellung, Form und Größe, Verarbeitung und Verwendung änderte sich bis weit ins 18. Jahrhundert kaum.

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Der Wandel zum modernen Hochlochziegel
Mit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert und angetrieben durch eine hohe Baunachfrage vor allem in den Nachkriegsjahren entwickelte sich der Ziegel kontinuierlich weiter. Das Herstellungs­verfahren wurde seitdem in vielen innovativen Schritten verbessert. Im Laufe neuer Produktionsmöglichkeiten veränderte der Ziegel, obwohl damals wie heute aus den vier Elementen Feuer, Wasser, Luft und Erde geformt, auch sein Erscheinungsbild. Die Erfindung des Lochziegels und die Zugabe von Porosierungsmitteln (eine Erfindung des Poroton-Ziegels durch den schwedischen Erfinder Sven Fernhof 1967) machten den Ziegel gleichzeitig leichter und wärmedämmender. So gelang der Wandel vom kleinformatigen mittelalterlichen Backstein zum großformatigen modernen Hochlochziegel. In den folgenden 50 Jahren kamen weitere Produkte unter dem Namen Poroton hinzu. Neben porosierten Großblockziegel in den 1970er und wärme­dämmenden Poroton-T-Ziegeln in den 1980er Jahren wurde 1993 das zeitsparende Plan­ziegelverfahren eingeführt.

Die Idee von Schlagmann Poroton den Ziegel mit einer wärmedämmenden Füllung zu versehen, revolutionierte ab 2000 die Ziegelherstellung. Perlitgefüllte Ziegel traten seitdem durch weitere Optimierungen in den Bereichen Statik, Wärme- und Schallschutz ihren Siegeszug an und eroberten mit der Wärmedämmfassade Poroton-WDF auch die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden.


Von der kleinen Landziegelei zum Marktführer
Erste Aufzeichnungen über eine Ziegelei in Lanhofen bei Zeilarn finden sich 1862. Die Geschichte des heutigen Unternehmens Schlagmann-Poroton beginnt 1935: Der als Brenner in der örtlichen Ziegelei beschäftigte Lorenz Schlagmann beteiligt sich zuerst daran, bis er sie nach dem Krieg komplett übernimmt und im Handelsregister am 4. Februar 1949 unter „Lorenz Schlagmann Ziegelei“ eintragen lässt. Niemand dachte damals im Entferntesten daran, dass die kleine Landziegelei später einmal zu den führenden Ziegelproduzenten in Deutschland zählen und Marktführer in Bayern werden wird.

Nach einem Großbrand Mitte der 50er-Jahre schien das Lebenswerk gar zerstört. Doch mit vereinten Kräften baut die Unternehmerfamilie – die Söhne Alfred und Helmut Schlagmann steigen zu diesem Zeitpunkt in das elterliche Unternehmen mit ein – das Ziegelwerk am heutigen Standort wieder auf. Mit großer Weitsicht erwerben die Brüder Schlagmann 1967 die Lizenz zur Herstellung von Poroton-Ziegeln und ebnen damit den Weg für künftige Erfolge, indem sie erstmals porosierte groß­formatige Hochlochziegel einführen.

Die Energiekrise Anfang der 70er Jahre steigert die Nachfrage nach Poroton-Ziegeln erheblich. 1981 wurde das bereits damals umweltfreundliche Ziegelwerk in Zeilarn gebaut. Im Soge des Baubooms, ausgelöst durch die Wiedervereinigung, erreicht 1995 die Nachfrage nach modernen Planziegeln einen Höhepunkt: Schlagmann baut in Zeilarn ein weiteres Ziegelwerk. 1996 überträgt Alfred Schlagmann seinem Schwiegersohn Johannes Edmüller die Leitung des Unternehmens, der es in den Folgejahren zum Ziegel-Marktführer in Süddeutschland ausbaut.

Durchstarten mit Patent
Mit dem Patent auf eine eigene Erfindung – nämlich dem auf perlitgefüllte Ziegel – beginnt 1998 eine neue Ära in Zeilarn. 2003 übernimmt Schlagmann die Ziegelwerke in Rötz, Isen und Aichach. Von 2006 an werden die Kapazitäten kontinuierlich aus­gebaut: aktuell kommen jährlich 36 Millionen Ziegel aus Zeilarn und den weiteren vier Produktionsstandorten, aus denen rund 10.000 Wohneinheiten ent­stehen. Steigende Baunachfrage und Fachkräftemangel am Bau verlangen nach neuen Lösungen und so investiert Schlagmann 2018 – als Standort Nummer 6 – in eine Ziegelfertig­teilproduktion in Plattling. Das Werk produziert unter der Lizenzmarke „Redbloc“ just-in-time maßgeschneiderte Ziegelfertigteile.

Klimafreundliche Produktion
Mit dem Bau des Forschungszentrums Ziegel 2014 in Zeilarn und der Ende Juni 2019 erfolgten Erweiterung wird das Fundament für weitere Meilensteine aus dem Hause Schlagmann gelegt. Im Fokus stehen die Verbesserung der Energie- und Ressourceneffi­zienz des Ziegels. Sowohl Produkte als auch Produktionsprozess sollen noch klimafreundlicher werden.

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