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Artikel und Hintergründe zum Thema

Sanierung

Olaf Janotte,

Garaus für Salz- und Feuchteschäden

Fassadensanierung. Aufsteigende Mauerwerksfeuchtigkeit wird durch eine fehlende oder defekte Isolierung verursacht, durch die Feuchtigkeit im Mauerwerk nach oben „klettert“. Bei einer Sanierung muss deshalb versucht werden, den Feuchtetransport in das Gebäude zu verringern bzw. zu verhindern. Olaf Janotte, Experte bei Baumit, gibt Tipps, worauf es bei einer Sanierung ankommt und wie ein Sanierputz richtig verarbeitet wird.

Eine fachgerechte Sanierung darf nicht nur die augenscheinlichen Schäden beheben, sondern muss sich mit den Ursachen beschäftigen. Erst eine Abdichtung verhindert, dass keine weitere Feuchtigkeit und Salze in das Mauerwerk gelangen können. © Baumit

Die Sanierung von feuchten Wänden mit Sanierputz-WTA bietet eine sichere Methode, um über lange Jahre eine optisch trockene Fassade zu erzielen und dabei die Substanz nicht durch ungeeignete Materialien zu schädigen. Sanierputz-WTA hat in den Jahrzehnten, in denen er erfolgreich angewendet wird, seine grundsätzliche Eignung bewiesen. Aber wie so oft – allein das Material macht noch lange keine gute Sanierung. Die richtige Verarbeitung spielt eine entscheidende Rolle für das Ergebnis.

Damit die Wände trocken bleiben ...
Bleiben die Grundmauern trocken, hat auch das darüber liegende Mauerwerk gute Chancen, weitgehend abzutrocknen. Damit wird auch einer weiteren Zerstörung durch Frosteinwirkung ein Riegel
vorgeschoben.

Eine vertikale Abdichtung sollte als einfachste Variante immer mit angesprochen werden, da diese meist auch relativ unproblematisch auszuführen sind. Einen höheren Aufwand, auch finanziell, bedeuten horizontale Abdichtungen. Hier sollte man auf das Wissen von Fachplanern zurückgreifen, um statische Probleme auszuschließen, das passende System auszuwählen und festzustellen, ob durch die Abtrocknung nicht weitere Schäden auftreten, wie es bei einer hohen Versalzung möglich ist, wenn die Flächen nicht überputzt werden sollen.

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Die „Alte Roggenschenke“ in Roggenburg im Frühjahr 2003. Die deutlichen Salz- und Feuchteschäden an der Putzfassade zeigten bereits ohne viele Voruntersuchungen, dass ein Neuverputz mit einem herkömmlichen Material wenig Erfolg versprechend ist. So entschied man sich für einen Sanierputz-WTA. © Baumit

Aufgepasst bei der Sanierung von versalzenen Altputzen
Trägt man Sanierputz-WTA auf versalzenen Altputz auf, kommt es schnell zu Abplatzungen. Deshalb muss das Mauerwerk bis etwa 1 m über der Feuchtigkeitszone freigelegt und möglichst trocken (Besen, Staubsauger, Druckluft) gereinigt werden. Chemische Vorbehandlungen zur Salzumwandlung sind nicht mehr zeitgemäß, da sie nur einen Teil der Salze in nicht- oder schwerlösliche Verbindungen umwandeln. Weil ihre Wirkstoffe zudem umweltschädlich sind, sollten sie möglichst nicht verwendet werden. Ausgenommen dann, wenn die Putzdicken durch bauliche Vorgaben nicht eingehalten werden können und somit auch kleinste Vorteile genutzt werden müssen.

Ein Vorspritz als Haftbrücke ist zur Sicherheit immer einzuplanen. Bei vollflächiger Verarbeitung muss er speziell geprüft sein (Vorspritz-WTA), damit es nicht durch ihn zu einer sperrenden Schicht kommt. Unproblematisch ist, den Vorspritz nur 50 bis 60 % deckend aufzubringen. Feuchtigkeit wird so gut in den Sanierputz weitergeleitet.

Die „Alte Roggenschenke“ in Roggenburg im Herbst 2003. Die deutlichen Salz- und Feuchteschäden an der Putzfassade zeigten bereits ohne viele Voruntersuchungen, dass ein Neuverputz mit einem herkömmlichen Material wenig Erfolg versprechend ist. So entschied man sich für einen Sanierputz-WTA. © Baumit

Je nach Versalzungsgrad, Wassergehalt und Ebenflächigkeit kann Sanierputz-WTA ein- oder mehrlagig aufgetragen werden. Die mehrlagige Verarbeitung ist dabei sicherer bezüglich Rissbildung und Salzdurchschlag. Bei Gesamtputzdicken größer 4 cm ist als Unterputz Porengrundputz-WTA notwendig, der eine geringere Wasserabweisung aufweist. Das bewirkt einen schnelleren kapillaren Feuchtetransport und reduziert einen Feuchteanstieg im Mauerwerk.

Empfehlungen für die Putzdicken
Die Putzdicken liegen bei geringen und mittleren Versalzungen bei 10 mm je Lage und bei starker Versalzung bei 15 mm. Speziell beim Auftreten der sehr leicht löslichen Nitratsalze sollten generell 15 mm eingehalten werden. Bei schlechten Abtrocknungsbedingungen (hohe Luftfeuchten wegen schlecht durchlüfteter Kellerräume, Nebel) könnte es ansonsten zum frühzeitigen Salzdurchschlag kommen. Bei der mehrlagigen Verarbeitung ist die jeweils untere Lage zur mechanischen Verankerung gut aufzurauen, Standzeiten von 1 Tag/mm Putzdicke sind einzuhalten und die Lagendicke darf nicht
dünner als 1 cm sein.

Wird Sanierputz zu dünn aufgebracht oder starker Sonne oder Wind ausgesetzt, reagieren die Bindemittel nicht vollständig aus, so dass die Festigkeit darunter leidet. Ein sinnvolles Nachnässen ist je nach Witterung aber nur in den ersten Stunden möglich, da nach der Abtrocknung die Wasserabweisung wirksam ist. Sanierputz-WTA nimmt dann kaum mehr Wasser auf. Ein weiteres Abbinden ist nicht mehr möglich und der zu weiche Putz ist abzunehmen. Deshalb muss, z. B. bei geriebenen Strukturen, auf spezielle Oberputze ausgewichen werden, da sich diese nicht mit einem Sanierputz herstellen lassen.

Hier der aktuelle Stand der Roggenschenke. Nach 15 Jahren zeigt sich das Objekt noch in einem guten Zustand. An einigen Stellen lassen sich zwar Feuchteabzeichnungen erkennen, diese können aber auch durch die unterschiedliche Besonnung und damit Abtrocknung in Verbindung stehen. Dies macht deutlich, wie komplex eine Sanierung ist. © Baumit

Da Sanierputz-WTA sehr wasserdampfdurchlässig ist, darf dieser nicht durch andere Oberputze oder Anstriche abgedichtet werden. Beschichtungen auf Sanierputz müssen deshalb sehr dampfdurchlässig und im Außenbereich auch wasserabweisend sein. Dies wird z. B. von mineralischen Putzen, Silikatfarben, Dispersionssilikatfarben oder guten Silikonharzfarben erreicht.

Fazit
Die Sanierung von feuchtem und salzgeschädigtem Mauerwerk ist heute zuverlässig und mit hoher Sicherheit durch die Verwendung von Sanierputz-WTA möglich. Diese Produkte haben natürlich ihre Grenzen. Leider stellen die häufigsten Grenzen nicht die Produkte, sondern die Begleitumstände auf der Baustelle dar. Keine Zeit für Standzeiten, kein Geld für zusätzliche Maßnahmen, keine ausreichende Fachkenntnis. Sie als Handwerker sind deshalb gefragt, über diese Dinge aufzuklären und Ihrem Auftraggeber die Konsequenzen verständlich zu machen, die es bedeutet, wenn diese Dinge nicht beachtet werden.


Merkblatt über die Grundlagen der Verarbeitung
Wird verputzt, kommen meist Sanierputze-WTA zum Einsatz. Die Eigenschaften werden durch das WTA-Merkblatt 2-9-04/D, Sanierputzsysteme, geregelt. Die überarbeitete Version liegt momentan als Gelbdruck vor. Hier werden auch die Grundlagen der Verarbeitung genannt. Dazu gehört die Feststellung des Versalzungsgrads und die sich daraus ergebenden Putzaufbauten. Hersteller von Sanierputzen sind in der Regel bereit, entsprechende Untersuchungen durchzuführen. Der Fachberater kann dabei im Vorfeld die ersten Sanierungsschritte klären und Vorschläge für die weiteren Arbeiten unterbreiten.

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