16. tubag Sanierungsforum

Martin Schrüfer,

Historische Bauwerksanierung im Mittelpunkt

Zum 16. tubag Sanierungsforum fanden über 160 Teilnehmer den Weg in die Heidelberger Altstadt. Im Spiegelsaal des Palais Prinz Carl konnten sie sich über aktuelle Projekte und Techniken aus dem Bereich der historischen Bauwerksanierung informieren. Das tubag Sanierungsforum wird in jährlichem Rhythmus ausgerichtet.

© Tubag / Sievert

Nach einer kurzen Begrüßung durch die Gastgeberin Dr. Petra Egloffstein, Leiterin Objektberatung für historische Bauwerke der Marke tubag, und Gerrit Sievert, Gesellschafter der Sievert AG, starteten die Fachvorträge unter dem Motto „Von der Restaurierung über die Instandsetzung bis zum Neubau“.

Dr. Egloffstein hatte eine Reihe an Experten aus dem Bereich der Bauwerksanierung als Referenten gewinnen können.
Den Beginn machte Dipl.-Restauratorin Dr. Dörthe Jakobs vom Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart. Sie stellte den Heidelberger Studentenkarzer als interdisziplinäres Konservierungsprojekt von mehrschichtigen Wandgemälden aus studentischer Feder vor. Dem gleichen Gebäude widmete sich Prof. Dr.-Ing. Harald Garrecht vom Institut für Werkstoffe im Bauwesen der Universität Stuttgart. Er rückte die Raumluftkonditionierung zum Erhalt
der bemalten Wandflächen des Karzers in den Mittelpunkt. Mit oberflächennahen Sensoren wird das Monitoring bis auf die
Mikroebene geführt, um so durch Temperaturänderungen gezielt auf Tauwasserbildung reagieren zu können.

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Sanierung der Liebfrauenkirche

Im Anschluss nahm Dipl.-Ing. Architekt Jürgen Hamm aus Worms die Teilnehmer mit auf eine Reise zur Liebfrauenkirche in seiner Heimatstadt. Während der aktuellen Sanierungsmaßnahmen an der Ostgruppe zeigte sich, dass das Werksteinmauerwerk nicht, wie zunächst angenommen, steinsichtig gestanden hat, sondern mit einem mittelalterlichen Putz und einem Fugenstrich versehen war. Mit einer mehrlagigen Schlämme auf NHL-Basis (Natürlich hydraulischer Kalk),
einer zweilagigen Lasur und einem neuen Fugenstrich wurde die historische Optik nachgebildet.

Die umfangreichen Maßnahmen zur Abnahme und Wiederanbringung der Deckenmalereien der Kirche St. Remigius in Diedesfeld stellte Dipl.-Restaurator Wolfgang Franz vor. Er ist Dom- und Diözesankonservator des Bistums Speyer. Die durch Putzabgänge stark gefährdete Deckenmalerei wurde auf ein neues Trägermedium übertragen, was umfangreiche Vorversuche und einige ganz neue Ansätze erforderte. In rechtliche Gefilde führte dann Dr. Axel Merz von der Kanzlei Klinge Hess Rechtsanwälte aus Koblenz. Er stellte drei aktuelle Gerichtsurteile vor, die weitreichende Auswirkungen auf das Tätigkeitsfeld der Teilnehmer haben.

Zeitgenössisches Baugeschehen im Fokus

Einen Sprung zum zeitgenössischen Baugeschehen machte Architekt Christoph Manderscheidt aus Stuttgart. Er nutzt historischen Kalkputz auf NHL-Basis als Außen- und Innenputz an Neubauten. Die leuchtende Farbigkeit und das durch die Putzstruktur bedingte Lichtspiel haben ihn für dieses Material begeistert. Dipl.-Ing. (FH) Thomas Bassier, Ingenieurbüro für Baustatik Bassier, Mainz, zeigte den Zuhörern, wie eine Beton-Kirchturmspitze aus den 1930er Jahren aufgrund von massiven Schäden durch eine Beton- Fertigteilkonstruktion ersetzt wird.

Dr.-Ing. Helmut Maus von Barthel & Maus, München, stellte sich mit dem Blauen Turm Bad Wimpfen einer speziellen Herausforderung. Der Blaue Turm blickt auf viele Schadensfälle wie Wassereinträge und Brände sowie eine lange Sanierungsgeschichte zurück. Im Jahr 2013 zeigten sich Risse in Steinen und Fugen, die den Turm in der
Kartierung wie einen Betonwürfel in einer Druckpresse erscheinen ließen. Mit Injektionen, Nadelankern und einer Neuverfugung wurde diesen Schäden zu Leibe gerückt. Rund 31.000 Bohrungen, inklusive Wiederaufbohrungen und eine Injektionsmasse von 250 Tonnen Mörtel veranschaulichten den Teilnehmern den Umfang dieses aktuell noch laufenden Unternehmens.

Als letztes Projekt stellte Dipl.-Ing. Ulrich Schulz von der Sauer GmbH aus Budenheim die komplexe Rekonstruktion eines gotischen Kreuzgratgewölbes vor. Als anspruchsvolle Problemstellung erwies sich hier, dass das Kreuzgratgewölbe keinen quadratischen Aufbau besaß. So fanden sich für die Ausführung keine Referenzprojekte und die passende Vorgehensweise musste komplett neu erarbeitet werden.

Wie auf dem tubag Sanierungsforum üblich, blieb im Laufe des Tages ausreichend Zeit für den Erfahrungsaustausch und die Kontaktpflege unter den Teilnehmern. Viele von ihnen haben sich den Termin für das nächste Sanierungsforum schon fest notiert. Es findet am 30. September 2020 in Bamberg statt.

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