Bilderstory mit Kran in der Hauptrolle

Peter Leuten,

Ein Riese erwacht

Der Schauplatz: etwa 20 Kilometer südlich von Stockholm in Schweden. Zeit: ein Sommertag 2018. Was passiert: Ein aus Italien stammender Fassi-F990-Ladekran, montiert auf einem Volvo FH 500, assistiert beim Aufbau eines 350-Tonnen-Mobilkrans von Liebherr. Die Geschichte eines Tages in Bildern.

Der Liebherr LTM 1350-6.1 bestimmt mit seiner gewaltigen Y-Abspannung die Szenerie auf dem Binsell-Firmengelände in Länna, südlich von Stockholm. © Hauser Verlag

Morgens um neun findet sich Fredrik Wennberg mit seinem Volvo FH 500 am vereinbarten Treffpunkt auf dem Binsell-Firmengelände in Länna ein. Hier wartet bereits Kranführer Bosse Bizzarina und sein Team, um gemeinsam mit Wennberg die tags zuvor begonnene Arbeit fortzusetzen: den testweisen Aufbau der maximalen „TYVENHKonfiguration“ des bislang größten Neuzugangs von Binsell, einem Liebherr-LTM 1350-6.1-350- Tonnen-Mobilkran.

Ladekran hilft Mobilkran auf die Beine
Schwergewichte wie der Liebherr-Sechsachser müssen zur Erzielung größtmöglicher Hubleistung und Reichweite um diverse Anbauten ergänzt werden. Und hier liegt die Krux: Das Handling der erforderliche Anbauteile kann der Mobilkran selbst nicht mehr leisten. Hier ist ein leistungsstarker Hilfskran erforderlich. Genau diese Lücke im Portfolio des größten Verleihstützpunktes für Liebherr-Krane im Großraum Stockholm besetzt Wennberg mit seiner Firma Uppsland Kranar. Binsell stellt das Knowhow und das Equipment für Schwerlastkranarbeiten, Uppsland Kranar leistet logistische Unterstützung. Wichtigstes Arbeitsgerät ist bei Uppsland Kranar daher ein neuer, im edlen Grau gehaltener Volvo-FH-500-Vierachser mit direkt hinter dem Fahrerhaus montierten, leuchtend gelb lackierten Fassi-F990-Ladekran, der heute seinen ersten Einsatz bestreitet.

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Ungewohntes Bild: der Fassi F990 Ladekran in gelber Lackierung. © Hauser Verlag

Schwergewichtige Aufgabe
Der Ausleger des mächtigen Mobilkrans ist an diesem Morgen bereits um die spektakuläre Y-Abspannung und das komplexeste Anbauteil, das alleine schon acht Tonnen schwere gewaltige Fly Jib, sowie das Anlenkstück erweitert worden. Heute will das Team um Kranführer Bizzarina und Chefmechaniker Peter Olovsen unter die Montage des Krans vervollständigen. Dazu müssen noch zwei Gittermastsegmente, ein dazwischen liegendes Reduzierstück und das Kopfstücks montiert werden. Die Position von Wennbergs Truck will bei derlei Arbeiten mit Bedacht gewählt werden: Allein die noch fehlenden Anbauteile erreichen eine Gesamtlänge von 27 Metern. Um die 84,30 Tonnenmeter Hubkraft des F990 optimal auszunutzen, gilt es daher Truck und Ladekran in der Mitte des Arbeitsbereichs aufzustellen.

Mal mehr, mal weniger Herausforderung für den F990
Zunächst steht die Montage der auf das Anlenkstück folgenden ersten Verlängerung an. Um das Teil an den Haken zu nehmen muss sich der F990 schon beachtlich schräg nach hinten strecken. Kaum hat das 12 Meter lange Gittermastsegment den Bodenkontakt eingebüßt, meldet sich die dynamische Überlastabschalteinrichtung FX901 des Fassi-Krans mit einem Warnton. Sicher: Ausleger und Jib sind noch lange nicht am Ende ihrer maximal möglichen Ausladung von 32 Metern angekommen, doch immerhin bringt dieses Segment 1,4 Tonnen auf die Waage. Mit zugeschalteter Extra Power (XP) kann Wennberg den Hub vollständig ausführen.

Der F990 hebt eine der Verlängerungsstücke des Gittermastes in die Montageposition. © Hauser Verlag

Die folgenden Sektionen stellen für den Kran indes keine Herausforderung dar. Gegen Mittag ist der Aufbau nahezu abgeschlossen. Lediglich das Hubseil muss, nach dem es die entsprechenden Umlenkrollen des Fly Jibs passiert hat und zunächst seitlich neben dem Ausleger abgelegt wurde, noch bis zum Kopfstück ausgezogen und über die Hakenflasche geführt werden. Bei dem beachtlichen Gewicht des deutlich mehr als daumendicken Drahtbündels empfiehlt sich für diesen Arbeitsschritt die Zuhilfenahme des Fassi-Assistenzkrans. Hier spielt ein Fassi-Feature seine Stärken aus: Die neue AWC-Funktion erlaubt es nämlich, die Kranspitze des F990 in gerader Linie zu dirigieren, ohne sich dabei mit der Steuerung des dieser Bewegung zugrundeliegenden Zusammenspiels der einzelnen Krankomponenten zu belasten. Statt kontinuierlich Teleskopausschübe, Auslegeranstellung und Kransäule im Blick zu behalten, kann sich Wennberg so voll und ganz auf die Führung des Seils konzentrieren.

Geschafft! Der Ausleger des Liebherr-Mobilkrans streckt sich in den Himmel. © Hauser Verlag

Der Riese erwacht
Nachdem auch Haken und Hubseil installiert sind macht sich Bizzarina auf den Weg zur Kranführerkabine, um den Ausleger des LTM 1350-6.1 aufzurichten. Kurz darauf ist es soweit: Der mächtige Ausleger des Liebherr-Krans hebt sich langsam in den strahlend blauen Himmel.

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