Arbeitsschutz

BG Bau sagt: Kampf dem Staub!

Staubbekämpung ist immer noch ein wichtiges Thema für den Arbeitsschutz. Um das Motto „Staub war gestern – echte Profis arbeiten staubarm“ Wirklichkeit werden zu lassen, haben 21 Bündnispartner ein Aktionsprogramm ins Leben gerufen, um den Einsatz staubarmer Techniken zu etablieren. Martin Schrüfer sprach mit Norbert Kluger, Leiter der Abteilung stoffliche Gefährdungen der BG BAU.

Klare Optik, klare Botschaft: Das Motiv der gleichnamigen Kampagne der BG BAU. © BG BAU

Baugewerbe Unternehmermagazin: Die Kampagne startete vor drei Jahren und ist erfolgreich – bis wann hoffen Sie, muss sie noch laufen, bis ihr Ziel final erreicht ist?
Norbert Kluger: Wie bei allen Themen der Prävention ist die „Laufzeit“ sehr lang, bis Erfolge flächendeckend sichtbar werden. Beim Thema Etablierung „chromatarmer Zemente“ hat dieser Prozess zehn Jahre benötigt. In dieser Größenordnung würde ich auch beim Thema „staubarmes“ Bauen denken.

Einmal ohne Staubkabine: Die Demonstration zweier Bauarbeiter war Bestandteil der Veranstaltung "Aktionsprogramm gegen Staub in der Bauwirtschaft" am 26. Juni in der Arbeitsweltausstellung der DASA in Dortmund. © BG BAU

BGW: Wenn wir uns die Mission als Marathon vorstellen: Bei welchem Kilometer steht die Branche aktuell?
Kluger: Bislang wurden von der BG BAU rund 25.000 Entstauber im Rahmen der Arbeitsschutzprämien gefördert. Bei rund 500.000 Mitgliedsunternehmen ist die bisherige Laufstrecke leicht zu ermitteln. Es tut sich in der Branche derzeit so viel zum Thema Staubbekämpfung, wie seit 40 Jahren nicht. Gleichwohl werden wir noch viel Engagement aufzubringen haben und noch einige Zeit benötigen, bis auf dem Großteil der Baustellen mit moderner staubreduzierender Technik gearbeitet wird.

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Einmal mit Staubkabine: Die Demonstration zweier Bauarbeiter war Bestandteil der Veranstaltung "Aktionsprogramm gegen Staub in der Bauwirtschaft" am 26. Juni in der Arbeitsweltausstellung der DASA in Dortmund. © BG BAU

BGW: Welche im Rahmen der Kampagne angebotene Branchenlösung oder Handlungsanleitung wurde bislang am meisten nachgefragt? Wo gab es, anders gesagt, den größten Fortschritt?
Kluger: Bekanntlich haben Mitgliedsunternehmen der BG BAU die Möglichkeit, durch den Kauf von Arbeitsmitteln und Maßnahmen, die den Arbeitsschutz in besonderem Maße verbessern, Fördersummen im Rahmen der Arbeitsschutzprämien der BG BAU zu beantragen. Hier läuft die Förderung der Bau-Entstauber, das heißt speziell auf die Einsatzbedingungen am Bau abgestimmter Geräte zur Stauberfassung an Maschinen, am besten. Maschinen mit Absaugvorrichtung, wie zum Beispiel Bohrmaschinen, Mauernutfräsen oder Trennschleifer setzen sich mehr und mehr durch. Beim verbotenen und wirklich gesundheitsschädlichen „Trockenkehren“ mit dem Besen sehen wir hingegen noch keine Verbesserungen. Und solange in Ausschreibungen gefordert wird, dass Baustellen „besenrein“ zu übergeben sind, müssen wir noch viel Überzeugungsarbeit leisten.

Norbert Kluger, Leiter der Abteilung stoffliche Gefährdungen der BG BAU. © BG BAU

BGW: Und, auf der anderen Seite – wo müssen Sie noch stärker aktiv werden?
Kluger: Vielen Praktikern der Branche ist offenbar noch nicht oder nicht hinreichend bekannt, dass es staubarme Techniken, Verfahren und Produkte gibt und dass es im Sinne der Beschäftigten sowie eines guten Images der Branche besser ist, mit weniger Staub zu arbeiten. Hier gibt es für alle Bündnispartner des Aktionsprogramms „Staubminimierung beim Bauen“ noch viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Daran arbeiten wir und wirken zum Beispiel darauf hin, dass dieses Anliegen künftig verstärkt auch in der Ausbildung junger Menschen in Bauberufen berücksichtigt wird. Professionell arbeiten heißt eben, moderne staubarme Techniken zu nutzen. Und das trägt wesentlich dazu bei, dass die Jobs am Bau attraktiv und gesund sind.

BGW: Vielen Dank für das Gespräch!


Stichwort Aktionsprogramm
„Staubminimierung beim Bauen“
Mit dem Aktionsprogramm „Staubminimierung beim Bauen“ arbeiten 21 Bündnispartner gemeinsam daran, dass in der Bauwirtschaft staubarme Technologien und Produkte selbstverständlich genutzt werden. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales, die Sozialpartner der Bauwirtschaft (Deutsches Baugewerbe/ Deutsche Bauindustrie/ IG BAU), die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft, die Länder und weitere Partner haben das Aktionsprogramm vor drei Jahren gemeinsam gestartet. Unter dem Motto „Staub war gestern“ sollten heute besonders auch junge Menschen dafür begeistert werden, staubarme Techniken zu nutzen. Wie Vertreter des Bündnisses feststellen, besteht leider noch zu oft die Auffassung, dass Staub unabdingbar zum Bauen dazugehöre. Vermeidbare Belastungen für die Gesundheit würden nicht als solche wahrgenommen. Gleichwohl bemerken die Bündnispartner gegenwärtig einen Wandel: Staubarme Technologien würden immer stärker als Voraussetzung für professionelles Arbeiten gesehen. Hiermit ließen sich oft auch die niedrigen Arbeitsplatzgrenzwerte einhalten. Die Bündnispartner des Aktionsprogramms „Staubminimierung beim Bauen“ wirken aktiv darauf hin, dass die Gefahren durch Staub bewusster werden. Durch systematische Kooperation und Koordinierung in den Bereichen Kommunikation, Technik, Ermittlung der Staubexposition so wie Qualifikation wird die Wirksamkeit aller Einzelmaßnahmen gesteigert. Begleitet werden die Aktivitäten des Programms durch neuartige Materialien, die von den Partnern des Aktionsprogramms entwickelt wurden.

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