Aus Baugewerbe Unternehmermagazin 5\2019

Oliver Willms,

Junge Bullen für Bau und Straße

Als eine gelungene Mischung zwischen schwerem Stralis-Bauzulieferer und Offroad-Lkw der Trakker-Baureihe stellt Iveco seinen Stralis X-Way auf die grobstolligen Reifen.

Breite Aufstellung: Die X-Way-Range reicht vom zweiachsigen Solofahrzeug über den klassischen Vierachser und Betonmischerfahrgestelle bis hin zur traktionsoptimierten Kippsattelzugmaschine. © Iveco

Auch Iveco führt seit kurzem eine Baureihe von Grenzgängern zwischen Straße und schwerem Baustelleneinsatz in den Orderlisten: Den Stralis X-Way. Er soll als Universaltalent jene Jobs erfolgreich erledigen, die früher zwischen dem Straßen-Stralis und dem hochgeländegängigen Trakker-Modellen zu vergeben waren. Die Strategie ist nicht neu, aber bei Iveco überzeugend umgesetzt. Die neuen X-Way-Fahrzeuge überzeugen onroad mit komfortablen und wirtschaftlichen Fahreinsatz. Sie können auch im leichten Gelände ein Wort mitreden, ohne mit einem Auge auf die Hilfe des Radladerfahrers schielen zu müssen. Mit dem neuen hydraulischen Vorderachsantrieb Hi-Traction kommen Kippsattelzüge auch auf schwererem Geläuf in der Kiesgrube erstaunlich weit.

Kombination aus der Trakker und Stralis-Welt
Damit kombinieren die X-Ways gekonnt die Qualitäten aus beiden Baureihen. Neben dem Baustoffzulieferbetrieb und leichten Einsätzen an der Baustelle kommen mit dieser Konfiguration auch die Kommunen immer mehr ins Visier. Die Mischlingsmodelle gibt es als Kipper, Abroller und Absetzer wie auch als Betonmischer, Kranfahrzeug, Baustoff-Zug, Kommunalfahrzeug, Holztransporter ebenso wie auch als Sonderaufbaufahrzeug mit Kanalspüler oder Straßenreiniger auf dem Rahmen. Denn hier mussten sich die Kunden weiland immer zwischen dem klar auf Straßenbetrieb ausgerichteten Stralis oder dem raubautzigen Offroad-Trakker entscheiden.

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Der X-Way soll als Wanderer zwischen den Einsatzwelten genau dieses Segment erfolgreich besetzen: Straßentauglich auch auf längeren Zufahrtsstrecken bis hin zur Übernachtung in der Kabine, und gleichzeitig so geländetauglich, dass auch gelegentliche Ausflüge abseits befestigter Wege nicht gleich mit abgerissenen Stoßstangen oder Schäden an Tank, Einstieg oder Heckpartie bezahlt werden müssen.

Als Vierachser kann der Iveco Stralis X-way viele Aufgaben innerhalb der Baustelle übernehmen, die bislang vom höher spezialisierten Brudermodell Trakker erledigt wurden. © Iveco

Vielzählige Achskombinationen für verschiedenste Anwendungen
Auch bei den Achskonfigurationen lässt sich der Stralis X-Way in Sachen Vielfalt nichts nachsagen. Zahlreiche Antriebsformeln und ein breites Achsensortiment von 4x2- und 6x4-Sattelzugmaschinen über 4x2, 6x2- und 6x4-Fahrgestelle bis zu 8x2- und 8x4-Vierachser decken alle möglichen Einsatz gebiete individuell ab. Spezialitäten wie eine Tridem- Hinterachse oder 8x2-Modelle mit drei gelenkten Achsen sollen auch Sonderanwendungen gerecht werden können.

Im modularen Lkw-Baukastensystem von Iveco bietet der X-Way-Reihe vielfältige Konfigurationsmöglichkeiten. Dabei kann man je nach Einsatzzweck Komponenten aus der Trakker-Palette mit Bauelementen der Straßen-Stralis kombinieren und mit neuer Technik ergänzen. Iveco hat dem Kunden die Identifikation der Fahrzeugeigenschaften besonders einfach gemacht. Drei Konfigurationen stehen je nach Einsatzdefinition für den Stralis X-Way zur Auswahl. Die Variante für häufige Straßeneinsätze nennt sich „ON“, wo im Schwerpunkt Offroad-Einsätze gefahren werden steht „OFF“ drauf und die klassische Mischung aus On- und Offroad-Betrieb trägt das Kürzel „ON+“.

Auf Knopfdruck mehr Traktion
Als besonderes technisches Schmankerl baut Iveco nun auch wie nahezu alle anderen Schwer-Lkw-Hersteller Europas einen hydraulischen Vorderachsantrieb in die 4x2-Modelle, vornehmlich die Sattelzugmaschinen ein, um gelegentliche Offroad-Ausflüge ohne die permanente Sorge um ausreichende Traktion unter die Reifen nehmen zu können. Bei dem System handelt es sich um eine Lizenztechnik des Baggerherstellers Poclaim. Hydraulik-Hochdruckpumpen, die vom Motor angetrieben werden, leiten dabei innerhalb von Sekundenbruchteilen einen Hydrauliköldruck an die turbinenförmig ausgebildeten Antriebsschaufeln in den Vorderradnaben und treiben so die Vorderachse ohne zusätzliche Antriebswellen und Verteilergetriebe effektiv an.

Gängiges Modell im X-Way-Programm ist die zweiachsige Kippsattelzugmaschine, die bei Bedarf mit Hi-Traction Vorderachsantrieb ausstaffiert werden kann. © Iveco

Mit dieser im Vergleich zur klassischen angetriebenen Achse deutlich leichteren Technik lassen sich kurzfristige Traktionsprobleme perfekt überbrücken. Für dauerhaften Allradantrieb wie beispielsweise im Winterräumbetrieb ist der Hi-Traction-Vorderachsantrieb freilich nicht gedacht. Gerade einmal 400 Kilogramm Systemgewicht bringt der hydrostatische Radnabenantrieb an der Vorderachse im X-Way mit sich.

Kurzzeitiger Vorderradantrieb für kritische Passagen
Die Bedienung der Hi-Traction-Vorderachse ist bewusst simpel gehalten, um im Bedarfsfall schnell zum Einsatz zu kommen. Das System wird zunächst per Taster im Armaturenbrett vorgewählt und bleibt so bis zu einem Tempo von 45 km/h dauerhaft in Wartestellung bereit. Sobald an der Hinterachse ein Durchdrehen der Räder sensiert wird, greift das System eigenständig zu und aktiviert die Hochdruckturbine in der Vorderachse. Mit einem maximalen Betriebsdruck von 450 bar und immensem Drehmoment von bis zu 12.500 Newtonmeter an der Vorderachse unterstützt die Hydraulik den normalen Hinterachsantrieb.

Damit lassen sich auf Anhieb ganz erstaunliche Steigungen selbst mit regennasser, lehmbedeckter Fahrbahn erfolgreich bewältigen. Dadurch, dass das System direkt motorabseitig ohne Kupplungsschluss und nicht von einer Hydraulikpumpe am Getriebeabtrieb mit Antriebskraft versorgt wird, kann man quasi aus dem Stand auch ohne durchdrehende Antriebsachsräder auf die Traktionsunterstützung vertrauen. Die Zusatztechnik für das fein arbeitende Hi-Traction hält sich in Grenzen: Das Hydraulikölsystem beinhaltet 40 Liter Hochdrucköl, die über einen Extrakühler vor Überhitzung geschützt werden. Schwere, flexible Ölleitungen übertragen die Kraft der Hydraulikpumpe bis in die Vorderradnaben.

Die Innenausstattung der Fahrerhäuser gleicht dem Stralis-Cockpit. © Iveco

Straßenmodelle mit Nutzlastvorteil und Langstreckenkomfort
Auf X-Way-Kurs wurden auch die eher straßenorientierten ON-Modelle gebracht. Sie verfügen über eine weniger stark gekröpfte Vorderachse für mehr Bodenfreiheit und bieten auch mit ihrem verstärkten Rahmenrückgrat die Onroad-Eigenschaften des Stralis. Das verleiht den ON+-Varianten sogar eine leichte Geländegängigkeit. Sie werden aber weiter noch als Straßenfahrzeug homologiert.

Die ON- und ON+-Modelle besitzen einen soliden Frontunterfahrschutz und standardmäßig einen sechsteiligen Kunststoffstoßfänger, der in Segmenten austauschbar ist. Für deftigere Einsätze steht wahlweise auch eine kontaktresistentere Stahlversion bereit. Dieser dreiteilige Stahlstoßfänger – wahlweise mit und ohne Frontunterfahrschutzelement – ist bei allen OFF-Varianten bereits in der Serienausstattung verbaut. Weil die X-Way OFF-Fahrzeuge als Geländefahrzeuge homologiert werden, ist die Ausrüstung mit Unterfahrschutz im Gegensatz zu den Straßenversionen optional. Mit hoher Steigfähigkeit und einem Böschungswinkel von über 25 Grad können die OFF-Ivecos in vielen Fällen sogar mit dem spezialisierten Trakker mithalten.

Technisches Dreierlei zur Auswahl
Unter Zuhilfenahme des modularen Iveco-Baukastens kann man für seinen individuellen X-Way aus drei Fahrerhaus-Grundversionen, drei Motoren, drei Getriebe und drei Achs-Konfigurationen auswählen. Während der robuste Rahmen vom Offroader Trakker stammt, kommen die Fahrerhäuser aus dem Stralis-Programm. Das Spektrum reicht dabei vom kurzen, schmalen Tagesfahrerhaus Active Day in flacher Version über die lange Variante Active Time mit Liege und auch in mittelhoher Ausführung bis zur breiten Kabine Active Space (AS) in niedrig bis hoch. Mit dieser breiten Auswahl kann sich jeder Kunden sein Fahrzeug beispielsweise von der baustellentauglichen Kippsattelzugmaschine oder einem gewichtsoptimierten Betonmischerchassis bis hin zum Vierachs-Dreiseitenkipper mit kleiner Kabine individuell konfigurieren.

Wahlweise kann man den hydraulischen Vorderachsantrieb H-Matic als Traktionshilfe ordern, der mittels Taster im Cockpit zugeschaltet wird. © Iveco

Auch bei der Motorisierung bietet der Xway Vierfalt. Im Gegensatz zum Trakker stehen hier alle drei Basis-Sechszylindermotoren bereit: Der Cursor 9 mit 8,7 l Hubraum, Cursor 11 mit 11,1 l Hubraum und Cursor 13 mit 12,9 l Hubraum. Die Leistungsspanne reicht in neun Stufen von 310 bis 570 PS, die maximalen Drehmomente von 1.300 bis 2.500 Nm.

In fast allen Leistungsstufen kommt Iveco für die Einhaltung der Euro 6-Grenzwerte ohne Abgasrückführung und nur mit SCR-Abgasnachbehandlung aus. Ausnahmen bilden die leistungsstärksten 480- und 570-PS-Versionen des Cursor 11 beziehungsweise Cursor 13. Mit der so genanntes Smart-EGR bekommen sie eine kleine Prise Abgas, um die Verbrennungstemperatur und damit den Verbrauch in Zaum zu halten. Auf Wunsch ist der Stralis X-Way im „ON“-Setup auch mit einem 400 oder 460 PS starken CNG- Erdgasmotor (CNG) zu bekommen. Der bringt es auf Reichweiten um die 450 km.

Handgeschaltet, automatisiert oder klassischer Wandler-Automat
Aus drei Basisangeboten kann der X-Way-Interessent auch bei den Getrieben wählen. Zur Disposition steht ein klassisches ZF Ecosplit-Handschaltgetriebe mit sechzehn Gängen, das automatisierte Traxon-Getriebe von ZF, das bei Iveco unter Hi-Tronix läuft und der Allison-Vollautomat S3200. Das Lastschaltgetriebe lässt sich aber nur in Kombination mit den leistungschwächeren Varianten des Cursor-9-Motors bekommen. Der Grund: Die sechsstufige Automatik verträgt keine Eingangsmomente oberhalb von 1.500 Nm. Allerdings kann man die vor allem im Kommunaleinsatz sinnvolle Automatik seit jüngstem auch mit robusten Außenplanetenachsen kombinieren. Das automatisierte Schaltgetriebe Hi-Tronix ist als Zwölfgang-Version für 1.400 bis 2.600 Nm Eingangsdrehmoment im X-Way zu haben. Für Freunde von reichlich Schaltarbeit abseits der Straße steht es darüber hinaus in Varianten mit sechzehn Fahrstufen für 2.400 oder 2.600 Nm Eingangsdrehmoment bereit. Was im Fahrtest auffällt: Die neuen Getriebeversionen wechseln die Gänge deutlich schneller und mit verbesserter Schaltlogik als in den Vorgängermodellen.

Kräftig dimensionierte Achspakete entweder mit Hypoid- oder AP-Antrieb machen den X-Way bautauglich. © Iveco

Interessante Variationen fährt Iveco auch bei den Nebenabtrieben auf. Sie gibt es motor- wie getriebeseitig. Als Neuheit ergänzt ein sogenannter „Sandwich-PTO“ zwischen Motor und Getriebe das ANgebot. Er ist lastschaltbar und kann mit rund 1.600 bis 2.450 Nm üppige Antriebsleistung an Anbaugeräte oder externe Verbraucher abgeben.

Robuste Rahmen-Achsen-Kombination
Bei den Achskonfigurationen stellt Iveco Alternativen auf die X-Way-Orderliste. Vorne beschränkt sich Iveco auf 9-Tonnen-Achsen mit zwei unterschiedlichen Achskröpfungen. Das gilt sowohl für die Einzel- wie auch für die Doppel-Lenkachse. Sie dürften ausreichend Last vertragen, um Krankipper oder Baustofftransporter sicher zu betreiben. Allerdings ist keine gerade Vorderachse für extrem viel Bodenfreiheit für den Stralis X-Way zu haben. Standardmäßig hängen die Vorderachsen an robusten Zweiblatt-Parabelfedern. Auf Wunsch gibt es sie mit drei Federlagen. Die einlagige Dickblattfederung bleibt den leichten Betonmischer-Fahrgestellen vorbehalten.

An der Hinterhand verbaut Iveco für den überwiegenden Einsatz auf der Straße konventionelle Steckachsen. Die Hypoidachsen werden als Einzel- oder Doppelaggregat und vorzugsweise mit Luftfederung oder gewichtsoptimiert mit Parabelfedern eingebaut. Bei dieser Achskonfiguration ist auch eine schnellere Übersetzung (i=2,83 statt bisher 3,09) für Langstreckentransporte im Angebot. Als robuste Alternative für den Geländeeinsatz zeigen sich die Außenplanetenachsen.

Bei der Hinterachsaufhängung hat Iveco mit dem X-Way kräftig Gewicht eingespart. Die mechanische Aufhängung des Doppelachsaggregats beim Stralis X-Way soll laut Iveco fast 200 Kilo leichter als beim Trakker geworden sein. Zusammen mit der neuen V-Link-Lagerung für eine verbesserte Seitenführung sprangen allein damit 175 Kilo Mindergewicht heraus. Bei der astreinen Bauluftfederung für zulässige zweimal 13 Tonnen sind es immerhin 35 Kilo weniger Ballast, die der X-Way mitschleppen muss. Gegenüber dem Straßen-Stralis bringt sie zwar immer noch etwas mehr Gewicht auf die Waage, steckt dafür aber auch die Strapazen im Bau souverän weg.

Auch in den Bauvarianten verbaut Iveco mit der Einführung des X-Way nun an allen Achsen Scheibenbremsen, die kräftiger zupacken als im Stralis und schon einen Vorgeschmack auf die neue Lkw-Baureihe der Italiener geben. Trommelbremsen bleiben damit nurmehr dem Offroad-Spezialisten Trakker vorbehalten.

Leichtgewicht für den Betonmischbetrieb
Weiter getrieben hat Iveco das Gewichtssparen mit dem X-Way Super Loader 8x4 für 32 Tonnen zulässiges Gesamtgewicht. Als gewichtsoptimierter Fahrmischer soll das Fahrgestell-Leergewicht bei gerade einmal 8.845 kg liegen. Für den Nutzlastkönig unter den Betonmisch-Vierachsern bekommt der X-Way einen abgespeckten Rahmen mit 6,7 statt 7,7 mm Stärke, den leichteren Cursor 9-Motor mit 400 PS, Tanks und Felgen aus Aluminium sowie Einblatt-Parabelfedern vorn und Zweiblatt-Federung hinten. Der fehlende Beifahrersitz spart weitere 35 Kilo Eigengewicht. Der Zusatzeimer Beton für die Baustelle symbolisiert die Grundausrichtung der gesamten multifunktionalen X-Way-Baureihe: Optimiertes Leergewicht mit maximaler Zuladung, dort wo es der Straßen-Stralis nicht mehr kann und der Trakker zu schwer und teuer ist.

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