Schlacke statt Naturstein

Martin Schrüfer,

Recycelt für den Straßenbau

Die Green Economy ist auf dem Vormarsch. Besonders die Rückführung von Nebenprodukten in die Produktion ist ein wichtiger Aspekt einer nachhaltigen Industrie. Das gilt auch im Straßenbau. Das Hamburger Unternehmen HRV und vertreibt zusammen mit Storimpex wiederaufbereitete Wertstoffe aus der Stahlherstellung für den Straßenbau.

Die Schlacke aus dem Lichtbogenofen des Hamburger Werkes von Arcelor Mittal wird für die Herstellung von Asphaltprodukten genutzt. © HRV

Bei der Produktion von Stahl entsteht Schlacke. Viel Schlacke, die einer weiteren Bestimmung zugeführt werden kann: eine Wiederaufbereitung zu Vorprodukten für den Straßenbau. Dafür wird die bei der Stahlproduktion entstehende Schlacke aufgebrochen und zu Splitt und Schotter verarbeitet. Die Schlacke aus dem Lichtbogenofen des Hamburger Werkes von ArcelorMittal weist die passenden physikalischen und technischen Eigenschaften auf, die im Straßenbau besonders für hohe Belastungen benötigt werden.

Vielseitig einsetzbar
So liefert Storimpex Material für die Start- und Landebahnen von Flughäfen, beispielsweise für den Hamburger Flughafen. Der Airbus rollt über die entsprechenden Asphaltprodukte, auch die A7 besteht aus dem Material. Kunden wie Eurogate Hamburg oder der Umschlaghafen im Hamburger Hafen überzeugte die Qualität der Produkte ebenso: So wurden unter anderem 85.000 Tonnen Splitte und Schlacke damals für ein Bauprojekt geliefert und die Fläche hält seit über zehn Jahren.

Unter anderem im Hamburger Hafen kommt das Material auch für Logistikflächen, die hohen Belastung ausgesetzt sind, zum Einsatz. „Die Container, die hier auf Lkw verladen werden, wiegen 25 Tonnen – pro Container, versteht sich. Auf einer Logistikfläche steht aber nicht nur ein Lkw. Da stehen Dutzende“, erläutert Storimpex-Geschäftsführer Ulf Schaller. Der Geschäftsführer freut sich, dass er in HRV einen Lieferanten gefunden hat, „der genau auf die Anforderungen der Kunden eingehen kann. Denn Asphalt ist nicht gleich Asphalt. Je nach Verwendung werden spezifische Eigenschaften von den Geschäftspartnern gefordert.“ So ist zum Beispiel der Asphalt in Kreisverkehren besonders hohen Belastungen ausgesetzt. Gut, wenn dann der schlackebasierte Asphalt von HRV eine bis zu einem Drittel höhere Belastbarkeit im Vergleich zu anderen Materialien aufweist.

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In einem Umkreis von 100 Kilometer beliefert Storimplex Asphaltmischwerke mit Gesteinskörnungen aus HRV Schlacke. © HRV

Schlacke statt Naturstein
In einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern beliefert Storimpex Asphaltmischwerke für den Straßenbau mit Gesteinskörnungen aus HRV Schlacke. Dabei schützt jedes vertriebene Kilogramm des Baustoffes die Umwelt, denn für jedes Kilogramm, das aus Schlacke gewonnen wird, wird ein Kilo Naturstein weniger benötigt – das ist Ressourcenschonung und Landschaftsschutz in einem.

Ulf Schaller, seit 14 Jahren auch Key Account Manager für HRV, betont, dass der Nachhaltigkeitsgedanke in seinem Unternehmen ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Ein Großteil der Geschäftsaktivitäten richtet sich an einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft aus, um die natürlichen Ressourcen zu schonen. Die Wiederverwendung der Schlacke schont aber nicht nur natürliche Vorkommen, sondern ist auch deutlich kostengünstiger. Und noch zwei weitere Vorteile kommen dem Material zu: seine sehr lange Haltbarkeit sowie seine gute Affinität zu Bindemitteln, die eine Mischung zu Asphalt erlaubt.

Sicherheit durch qualitätsgeprüfte Produkte
Gerade im Straßenbau steht natürlich die Sicherheit im Vordergrund – und damit die Qualität der Produkte. Um diese jederzeit zu 100 Prozent zu gewährleisten, überwacht und zertifiziert die asphaltlabor GmbH & Co. KG als unabhängiges Prüfinstitut regelmäßig die Produkte von HRV - und das für den gesamten Straßenoberbau: Der beginnt bei den sogenannten ungebundenen Schichten, also den Schichten unter dem Asphalt, die für die Tragfähigkeit entscheidend sind und geht hin bis zu der obersten Schicht, der Asphaltdeckschicht. Dabei werden an dem Baustoff unter anderem die Frostsicherheit und der Wiederstand gegen Schlagzertrümmerung geprüft. Ebenfalls wird die Affinität geprüft, muss doch das Bitumen in der Lage sein, die Gesteine dauerhaft zu verkleben. Zudem benötigt die Oberfläche eine dauerhafte Griffigkeit, damit bei Nässe die Fahrbahn nicht zur Schlitterpartie wird. Dies kann am Gestein über den Polierwiderstand bewertet werden, erläutert Thomas Lobach vom asphaltlabor, auch für diesen Kennwert erfüllt die Schlacke die höchsten Anforderungen.

Weniger Lärm dank „Flüsterasphalt“
Auch neuere Entwicklungen wie offenporiger Asphalt (OPA) könnten mit der Schlacke hergestellt werden. Dazu befinden sich zurzeit Produkte aus Schlacke in der Testphase. Offenporiger Asphalt wird besonders in lärmsensitiven Bereichen eingesetzt. Man kann ihn sich vorstellen wie viele kleine Murmeln, die zusammenkleben - mit zahlreichen, mit einander verbundenen Hohlräumen dazwischen. Diese haben den Vorteil, dass Wasser nicht auf der Oberfläche, sondern in der Schicht abgeleitet wird. So werden auf Straßen Sprühfahnen und die Gefahr von Aquaplaning vermieden. Insbesondere ist damit aber auch eine Lärmminderung verbunden, was gerade bei Autobahnen in der Nähe von Wohngebieten eine wichtige Rolle spielt. Auch hier könnte das Produkt Schlacke einen Teil des Naturgesteins ersetzen. Denn nicht nur, dass die Vorkommen von Naturgestein begrenzt sind, speziell für offenporige Asphalte können nur Gesteine mit den besten Eigenschaften eingesetzt werden, die in der geforderten Güte in der Natur nur selten vorkommen.

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