Interview

Susanne Frank,

Weg von der grünen Wiese

Interview zur 25. Fachtagung Abbruch. Mitte Februar pilgern die Experten für Abbruch und Rückbau nach Berlin, zur größten Abbruchveranstaltung Europas. Andreas Pocha, Geschäftsführer des Deutschen Abbruchverbands, sprach im Vorfeld mit Baugewerbe Unternehmermagazin über die neue Location und warum die Veranstaltung weit über Deutschland hinaus attraktiv ist. Er blickt auf die Trends in der Bauwirtschaft und erläutert, welche drängenden Probleme angegangen werden sollten.

Andreas Pocha, Geschäftsführer Deutscher Abbruchverband e.V., Köln © Deutscher Abbruchverband

Die Fachtagung Abbruch findet in einer neuen Location statt. Was ist das Besondere daran und warum passt der neue Ort gut zur Abbruchbranche?
Andreas Pocha: Wenn wir uns nun schon zum dritten Mal seit 2011 auf die Suche nach einer neuen Austragungsstätte in Berlin machen, dann geschieht dies nicht, um besonders hipp zu sein oder etwas Ausgefallenes anbieten zu können. Vielmehr hat uns der von Jahr zu Jahr gestiegene Zuspruch bei der Fachtagung, sowohl bei den Tagungsteilnehmern als auch bei den Ausstellern, dieses Luxusproblem beschert, dass irgendwann in den bisherigen Objekten der Platz zu klein wurde. Die jetzt gefundene STATION BERLIN hat als ehemaliger Postbahnhof zum einen die Fläche, die wir brauchen und hoffentlich auch noch ein bisschen Reserve für die nächsten Jahre und als ehemaliges Industrieobjekt passt er zusätzlich von seinem Charme her natürlich gut zu unserer Branche.

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Sie erwarten Teilnehmer aus 15 Ländern. Woran liegt es, dass sich die Tagung zur „größten Abbruchveranstaltung Europas“ entwickelt hat und so viele Teilnehmer aus dem europäischen Ausland anreisen?
Pocha: Durch die von uns angebotene Simultanübersetzung der Vorträge ins Englische und Französische gibt es an der Stelle schon mal keine Sprachprobleme für unsere ausländischen Besucher. Bei entsprechenden Teilnehmerzahlen sind wir auch zu Übersetzungen in weitere Sprachen bereit. Der Zuspruch auch aus dem Ausland resultiert sicherlich auch daher, dass es vergleichbare Veranstaltungen sonst in Europa nicht gibt. Alle anderen Tagungen sind Verbandsveranstaltungen, die nur für die Mitglieder geöffnet sind. Das handhaben wir als größter Abbruchverband in Europa anders: jeder, der an den angebotenen Themen und der Ausstellung Interesse hat und sich anmeldet, ist uns bei der Fachtagung Abbruch willkommen. Und, um das auch einmal zu erwähnen: Im Vergleich zu vielen anderen Tagungen sind wir sehr preiswert, insbesondere im Hinblick darauf, was den Teilnehmern dafür bei uns geboten wird.

Außer einem Vortrag über den Abbruch einer Brücke in Kanada sind die meisten Projekte, über die referiert wird, in Deutschland angesiedelt bzw. fokussieren auf die Situation in Deutschland. Warum sind die Vorträge dennoch interessant bzw. relevant für ausländische Fachbesucher?
Pocha: Das Gros der Besucher und Aussteller kommt natürlich nach wie vor aus Deutschland. Das müssen wir bei unserer Themen- und Referentenauswahl berücksichtigen. Da aber die Abbruchtechnik fast überall dieselbe ist, warum als ausländischer Abbruchunternehmer nicht bei den deutschen Nachbarn über den Zaun schauen und dort etwas Interessantes mitnehmen, auch wenn ich aus Dänemark, Frankreich oder Polen komme. Den deutschen Abbruchunternehmern wird von ihren europäischen Kollegen gerade auf dieser Tagung oft bescheinigt, dass sie mit ihrem Know-how doch einen Vorsprung haben.

© www.kosmos-online.de

In den Medien steht oft der Neubau im Fokus bzw. die Tatsache, dass man im Wohnungsbau nicht nachkommt, weil Fachkräfte fehlen bzw. die Bauunternehmen ausgelastet sind. Wie steht die Abbruchbranche derzeit da?
Pocha: Das ist bei uns nicht anders. Der Abbruchbranche geht es derzeit wirtschaftlich gut. Es sind genügend Aufträge da. Das niedrige Zinsniveau, die „Flucht ins Betongold“ sind auch für unsere Branche schon seit längerem ein Wachstumsmotor. Der Trend zurück in die Städte, eine Reduzierung des Flächenverbrauchs und damit des Bauens auf der grünen Wiese wirkt sich für uns vorteilhaft aus, weil damit erstmal alte Gebäude oder Bauwerke fachmännisch beseitigt werden müssen, bevor etwas Neues gebaut werden kann. Aber auch uns fehlen gut ausgebildete Leute oder auch junge Menschen, die interessiert sind, eine dreijährige, anerkannte Ausbildung, die es auch im Abbruch gibt, zu machen.

Wo liegen derzeit die drängendsten Probleme, die man angehen müsste?
Pocha: Das ist zum einen der aufgezeigte Fachkräftemangel. Das ist aber auch die unendliche Geschichte der „Mantelverordnung“. Mit diesem seit mehr als 14 Jahren diskutierten Gesetz soll an und für sich versucht werden, endlich einen bundesweit einheitlichen Umgang mit auf den Baustellen anfallenden Bau- und Abbruchabfällen sowie hieraus gewonnenen Recycling-Baustoffen zu schaffen. Was kann ich recyclen und wiederverwenden, was muss auf die Deponie usw. Im Ansatz sehr sinnvoll, damit endlich die bundesländerübergreifenden Probleme dabei aufhören, aber im Detail gibt es hier einige völlig überzogene Vorgaben, die bei einem Inkrafttreten das Ende der Recyclingwirtschaft im Bau bedeuten würden und daher den Widerspruch der betroffenen Branchenverbände hervorrufen. Aber auch ganz praktische Dinge, wie die personelle Unterbesetzung bei vielen Straßenverkehrsbehörden. Die führt dazu, dass in etlichen Kommunen oder Landkreisen es sechs bis acht Wochen dauert, bis die Unternehmen die Genehmigung für einen Schwertransport erhalten. So kann die Abbruchbranche – und viele andere – nicht arbeiten.

Sie haben eine beeindruckende Riege an Sponsoren gewinnen können. Wie ist Ihnen das gelungen?
Pocha: Der Umzug der Fachtagung Abbruch in die STATION BERLIN bringt auch eine ganz andere Kostenstruktur mit sich und bietet aber auch ganz andere Möglichkeiten für ein Sponsoring als bislang. Viele der Firmen, die sich dankenswerterweise für ein Sponsorpaket entschieden haben, kommen schon jahrelang zur Fachtagung. Von daher wissen sie, welche Präsentationsplattform wir ihnen dort bieten können. Zur letztlichen Entscheidung, sich als Sponsor bei uns zu betätigen, geht aber nichts über den intensiven persönlichen Kontakt, den wir zu den Firmen haben und pflegen.

Wie viele Aussteller werden dieses Jahr in der Fachausstellung dabei sein? Wie wichtig ist die Fachausstellung im gesamtkonzept der Tagung?
Pocha: Wir werden die Rekordmarke der letzten beiden Jahre mit 115 Ausstellern auch in 2019 wieder erreichen. Die von diesen angemietete Ausstellungsfläche wird sich aber gegenüber 2018 um mehr als 30 Prozent vergrößern. Und dieser enorme Zuspruch in einem Jahr, in dem auch die bauma stattfindet! Das macht uns glücklich und dankbar. Wir sind auch optimistisch, was den Zuspruch der Tagungsteilnehmer zur 25. Jubiläums-Tagung angeht, und denken, dass wir die mehr als 900 Teilnehmer, die es in 2018 waren, auch wieder erreichen können.

Beide Seiten, Tagungsteilnehmer und Aussteller, profitieren wechselseitig von diesem großen Zuspruch in den beiden Bereichen. Es gibt wohl kaum eine andere Veranstaltung, wo sie an einem einzigen Tag so viele Aussteller bzw. Entscheider kontakten können wie auf unserer Fachtagung Abbruch. Von daher gehört die Ausstellung unbedingt zum Konzept der Fachtagung Abbruch und ist genauso ein Erfolgsfaktor wie die interessanten Fach-Vorträge. In diesem Jahr wird die Ausstellung auch erstmals noch am Abend geöffnet sein. Die Gegebenheiten in der STATION BERLIN machen es möglich, dass wir nicht nur tagsüber, sondern auch mit unserem Dialogabend zum Ausklang dort sein werden und somit die Ausstellung auch noch in den Abend mit einbinden können. Von der Größe der Ausstellung her könnte man sie auf jeden Fall auch schon als Messe bezeichnen.

Mit Baugewerbe Unternehmermagazin sprach Andreas Pocha, Geschäftsführer Deutscher Abbruchverband e.V., Köln


Alles unter einem Dach
Wann und wo: 15. Februar 2019, STATION BERLIN, Luckenwalder Straße 4 - 6, 10963 Berlin
Auch der Dialogabend ab 19 Uhr und die Fachausstellung finden im ehemaligen Postbahnhof statt.
Simultanübersetzungen ins Englische und Französische
Keynote: Wolfgang Bosbach, CDU
2018: über 900 Teilnehmer und 115 Aussteller
Teilnahmegebühr: 350 Euro, 10 % Rabatt für Mitglieder des Deutschen Abbruchverbands
Premium-Sponsoren: Epiroc, Wirtgen Group
Gold-Sponsoren: Kiesel, Lehnhoff, Liebherr, MBI Deutschland, OilQuick, ScanCraft, Volvo, Zeppelin
Veranstaltungswebsite: http://www.fachtagung-abbruch.de

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