Abbruch/Recycling

Früher ein Ziegel, heute ein Tennisplatz

Die Perfect Tennismehl & Sportgeräte GmbH aus Nettetal, eine Tochtergesellschaft des niederländischen Recyclingunternehmens Thijssen Emans & Co B.V., zerkleinert und verarbeitet Abbruch-Ziegel und Dachpfannen. Dafür setzt sie seit kurzem die Prallbrechanlage Gipokombi 130 FRD des Schweizer Brechanlagenherstellers GIPO ein.

Prallbrechanlage Gipokombi 130 FDR
Die neue Prallbrechanlage Gipokombi 130 FDR nach ihrer Ankunft und Inbetriebnahme bei der Perfect Tennismehl & Sportgeräte GmbH in Nettetal am Niederrhein. Fotos: Apex

Der Recyclingbetrieb produziert Bodenbeläge für Tennis-Außenplätze im kompletten niederländischen Raum wie auch in großen Teilen Deutschlands. Die Holding ist vielseitig ausgerichtet: Neben Abbrucharbeiten steht die Herstellung hochwertiger keramischer Zuschlagstoffe und Stampfbeton im Vordergrund. Neben dem Material für Tennisplätze produziert das Unternehmen Stapelblöcke sowie Granulate für den Straßenbau.

Das Tagesgeschäft

Alte Schamotte werden zunächst von einem Vorbrecher auf die entsprechende Größe von 200 mm gebracht und bis auf 1 mm herunter gebrochen und gesiebt. Mit dem Material werden anschließend neue Ofen- oder Schamottsteine hergestellt.

Mit der Wiederaufbereitung alter Fliesen und Keramiken setzt das Unternehmen auf ein weiteres Standbein: Über Prall- oder Hammermühlen werden Korngrößen des alten Materials von bis zu 1 mm produziert, um sie anschließend zurück in den Kreislauf der Keramikindustrie zu bringen. Das gilt vor allem für keramische Fehlbrände, die auf diesem Wege erneut Verwendung finden.

Bodenbelag auf Tennisplätzen
Was die Perfect Tennismehl & Sportgeräte zerkleinert, landet schließlich als Bodenbelag auf Tennisplätzen in Deutschland und den Niederlanden.

Für sämtliche Abbruch und Erdbauarbeiten kamen über die Jahre hinweg Prallbrechertechnologien zum Einsatz, die aber im Laufe der Zeit den gestiegenen Leistungsansprüchen des Unternehmens nicht länger gewachsen waren.

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Auf der letztjährigen Steinexpo in Homberg/Ohm konnte der Schweizer Brechanlagen-Hersteller GIPO die Aufmerksamkeit des Managements für seine ausgestellte großformatige Prallbrechanlage Gipokombi 130 FDR gewinnen.

Zuschlag für Schweizer PräzisionsTechnik

Die raupenmobile Prallmühle hat ein Gesamtgewicht von 92 Tonnen – der Rotordurchmesser alleine misst 1.300 mm. Die Anlage ist deshalb so schwer, weil sie mit einer aktiven Vor- und einer Nachsiebeinheit ausgestattet ist. Beim Nachsieb handelt es sich um einen Doppeldecker im Format 1,80 x 5,50 Meter, worüber sich bis zu drei Endprodukte absieben lassen. Unter Berücksichtung des zusätzlichen Vorsiebs besteht sogar die Option für vier Endprodukte. Neben der Überkornrückführung ist zusätzlich eine Windsichteranlage an Bord, die aus dem gesiebten Material alle auftretenden Störstoffe herausbläst. Leichtmaterialien wie Kunststoffe oder Holz werden so von vornherein aus dem gesamten Verarbeitungskreislauf herausgezogen.

Verbraucht weniger Kraftstoff

Der neue innovative Brecher-Direktantrieb der Kombi-Anlage ist kraftstoffreduziert. Während vergleichbare Anlagen bei der Betätigung des Direktantriebs auf Anhieb 70 Liter Diesel verbrauchen, benötigt die Kombianlage lediglich 35 - 40 Liter Dieselkraftstoff.

Bei einer Kraftstoffersparnis von durchschnittlich 30 Litern pro Betriebsstunde und einem durchschnittlichen Betriebsstundeneinsatz von 1.500 Stunden pro Jahr ist der wirtschaftliche Vorteil immens. Das Management der Perfect Tennismehl & Sportgeräte GmbH legte alleine schon deshalb großen Wert auf einen sparsamen dieselhydraulischen Direkt-Antrieb, um elektrische Ausfälle oder Störungen – die bei dieselelektrischen Antrieben vorkommen können – von vornherein auszuschließen.

Hohe Verarbeitungskapazität

Obligatorischer Handshake
Obligatorischer Handshake nach der Inbetriebnahme. Rolf Lieben (links) von Apex Fördertechnik mit Theo Emans von Perfect Tennismehl & Sportgeräte.

In der Recyclingaufbereitung (0/45-Körnungen) liegt die Verarbeitungskapazität der neuen Anlage bei bis zu 300 t/h, im Natursteinbereich sogar noch deutlich höher. Für die Unternehmensgruppe Thijssen Emans & Co. B.V. sind durchschnittlich 180 t/h angepeilt. Das Unternehmen legt großen Wert darauf, termingetreu und qualitativ hochwertig zu produzieren.

Die Maschine arbeitet mit zwei Prallschwingen, eine als Vorbrecher und die andere als Hauptbrecher. Theoretisch wäre es sogar möglich gewesen, eine dritte Prallschwinge mit entsprechender Mahlbahn zu integrieren, sofern die Absicht bestanden hätte, Splitte zu produzieren.

Die Anlage verfügt über großzügig geschnittene zugängliche Bereiche, beispielsweise im Brechraum und der Austragsrinne. Das Konstruktionsprinzip setzt sich in der Dimensionierung von Austragsband (1.600 mm) und Austragsrinne (1.300 mm) fort. Verjüngungen oder Verengungen gehen hier nicht zu Lasten des Material- bzw. Verarbeitungsflusses. Im Zusammenspiel mit dem Magneten sind eisenhaltige Ergebnisse in der Recyclingaufbereitung nahezu ausgeschlossen. Die Stärke der Verschleißbleche liegt bei 30 mm – demnach eine Verdopplung gegenüber Anlagen anderer namhafter Hersteller. Das erklärt möglicherweise, warum in den GUS-Staaten GIPO-Modelle der gleichen Serie eingesetzt werden, die bereits über 60.000 Betriebsstunden gelaufen sind.

Auf der Steinexpo beauftragt, in 10 Wochen geliefert, in einer stunde aufgebaut

Der prognostizierte Betriebskostenvorteil sowie die aussichtsreiche Leistungssteigerung überzeugten die Perfect Tennismehl & Sportgeräte GmbH. Das Unternehmen kam nach seinem ersten positiven Eindruck auf der Messe sofort mit dem niederrheinischen GIPO-Händler Apex Fördertechnik ins Geschäft. Innerhalb von nur 10 Wochen nach der Bestellung stand die neue GIPO Anlage auf dem Hof. Alle Rahmenbau- und Fahrwerksteile, Vibrationsrinnen, Siebmaschinen, Powerpack sowie Brecher und Rotor werden ausschließlich am Stammsitz in der Schweiz gefertigt. Sämtliche Bauteile sind dort auch stets vorrätig.

Von der Schweiz aus wurde der 80 Tonnen schwere Brecher, die Magneteinheit mit Gestell (7 Tonnen) sowie das Seitenband für das Vorsieb getrennt auf den Transportweg gebracht. Nach gut zwei Tagen sowie einer Aufbauzeit von lediglich einer Stunde war die Maschine in der Hausfarbe von Thijssen Emans & Co. B.V. bereits einsatzbereit. Die Qualität der ersten Ergebnisse entsprach auf Anhieb den hohen Ansprüchen des Unternehmens aus dem Grenzgebiet. Da in den Niederlanden die Maßstäbe an Recyclingprodukte sogar noch höher gesetzt werden als in Deutschland, war das Management bei der Inbetriebnahme angenehm überrascht.

Schlagleisten, Siebmedien, weitere Ersatzteile und Servicewartungen werden künftig von Apex Fördertechnik geliefert bzw. durchgeführt. Da alle Ersatzteile aus der Schweiz üblicherweise verzollt werden müssen, wird der Recyclingbetrieb vom zuständigen GIPO-Händler für Gesamtdeutschland betreut.

Ralf Goffin

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